Die Nacht war mal wieder kurz. Als Torben am Sonntag, den 29.9.2019 erwacht, verläuft der Tag zunächst ganz normal. Der 2. Stock frühstückt um 8:15. Wie jeden Morgen gibt es ein Brötchen mit Tomatenmus, ein kleines Corissant, Butter und Marmelade. Nach dem Frühstück ist noch kurz Zeit, bevor zum El-Greco-Museum gehen soll. Wie war das noch? Der Künstler aus Griechenland hat seine ersten Aufträge in Toledo erhalten, nachdem er zuvor in Italien studiert hatte. Er war bekannt für seine Ikonographie und seinen manieristischen Stil. Was war das nochmal? Er ist sich nicht sicher, vielleicht gibt das Museum Auskunft… Und tatsächlich, im Museum werden Leben und Werk des Künstlers verständlich dargestellt, seine Techniken werden erklärt und die seine eigene Art der Heiligendarstellung erläutert. Trotzdem, an dem Museum ist vor allem das interessante Gebäude, das dem Haus des Künstlers nachgeahmt ist, bemerkenswert. Der Besucher kann sich vorstellen, wie es gewesen sein könnte, damals im alten Spanien. Man möchte selbst zum Pinsel greifen und der Kreativität ihren Lauf lassen…
Nach Besichtigung der Ausstellung geht`s zurück ins Hostel. Dort verlangen Frühstück und Zwischenmahlzeiten ihren Tribut, also ab auf die… Moment, noch kurz… Doch was ist das? Die Tür geht nicht auf. Torben ist eingesperrt. Hat sich da jemand einen Spaß erlaubt. „Jannes, warst du das?“ „Nein“. Was auch sonst, er war es ja nie. „Das ist nicht witzig, Leute.“ Auch von draußen rütteln sie an der Tür. „Warum schließt du auch ab?“ „Ich hab nicht abgeschlossen.“ Langsam ist es nicht mehr witzig. Vielleicht können die von der Rezeption helfen? Die Lehrer müssten auch bald zurück sein. Endlich erreichen sie Herrn Winter: „Ihr habt was?“ „Torben ist im Klo eingesperrt, aber wir konnten wirklich nichts dafür!“, Elisabeth kann Herrn Winter beruhigen, trotzdem machen sich die Lehrer auf den Weg zurück. Währenddessen versuchen die Hostelangestellten die Tür aufzubekommen. Doch ohne Erfolg: Die Tür bleibt zu und auch der Versuch, Werkzeug unter der Tür hindurchzustecken, scheitert. Was ist zu tun? „Ich will doch nicht für immer hier bleiben!“ „Soll ich mal?“ Jannes macht einen selbstbewussten Eindruck. Er hat gut gegessen in den letzten Tagen und sowieso, er ist stark. „Ich kann die Tür aufmachen.“ Die Leute von der Rezeption schauen sich fragend an, dann der Entschluss: „Das wäre auch unser nächster Schritt gewesen.“ „Also?“ Jannes macht sich bereit. „Versuch es!“ „Bei dir alles in Ordnung, Torben?“ „Ich will hier endlich raus.“ „Ok, dann hol ich dich jetzt!“ Jannes nimmt Anlauf. Ein erster Versuch, er testet die Stärke der Tür. Sie ist nicht so klapprig wie sie aussieht. Also nochmal…. Es kracht und die Tür ist offen. Torben ist frei, Jannes der Held und alles ist geregelt, als die Lehrer nach Hause kommen. Es gelingt sogar, ihnen klarzumachen, dass hier niemanden außer dem in die Jahre gekommenen Gebäude eine Schuld trifft. Und das Essen ist auch nicht mehr weit.
Nach dem Essen ist Latein am Zug. In demselben Lustgarten wie gestern beim Spanischlernen erhalten die Schüler heute eine Einführung in die lateinische Sprache und die Entschlüsselung von Inschriften. Das geht sehr gut und auch wenn die Vielzahl an Formen erstmal abschreckend wirken, gelingt es doch allen Spaniern die Probeinschrift zu übersetzen:
LIBERTATEM QUAM PEPERERE
MAIORES DIGNO STUDEAT
SERVARE POSTERITAS
Wissen Sie, wo es steht? Was es bedeutet? Durch diese Inschrift vorbereitet und mit den gängigsten Abkürzungen vertraut gemacht, durchsuchen die Schüler nun Toledo nach Spuren der Römer und Christen. Und sie werden fündig. Die Arbeit ist ganz anders als das gestrige Einkaufen, aber nicht minder spannend. Nach einem langen Tag geht es für Torben endlich zum Abendessen und danach schnell ins Bett. Bis jetzt gehen alle Türen auf und zu, hoffentlich bleibt das so…
