Bereits seit 2013 gehören wir #Webcoaches unter der Leitung von Herrn Rathje zum Präventionskonzept unseres Gymnasiums Hittfeld. Anfang 2015 starteten wir eine Kooperation mit der Polizeiinspektion Harburg und der Reso Fabrik e.V., um die bereits erfolgreiche Präventionsarbeit noch weiter auszubauen. Weil Probleme im Netz aber an keiner Schultür haltmachen, ist auch eine Vernetzung zwischen verschiedenen Schulen wichtig. Daher initiierten wir #Webcoaches 2018 ein Joint Venture an unserer Schule und luden interessierte Schülerinnen, Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern der Gymnasien aus Buchholz und Meckelfeld ein. Bei diesem Vernetzungstreffen waren neben unseren Kooperationspartnern von der Polizeiinspektion Harburg und der Reso Fabrik e.V. auch Vertreter der Jugendzentren, der Niedersächsischen Landesschulbehörde Lüneburg und medienpädagogische Berater des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) anwesend.
Einladung zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses
Als Gastredner für ein Praxisbeispiel gelungener Zusammenarbeit von Schule, Jugendhilfe und Polizei waren zwei Vertreter der #Webcoaches zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 30.04.2019 nach Winsen eingeladen worden.
Die insgesamt 45 Mitglieder des Jugendhilfeausschusses waren an einer praxisnahen Berichterstattung zum #Webcoaches-Konzept interessiert – besonders an einer Berichterstattung von uns persönlich.
Kai Schepers, Kreisjugendpfleger der Landkreises Harburg, leitete seinen Redebeitrag mit einer Begrüßung ein und stellte unser #Webcoaches-Konzept kurz vor. Dann präsentierte er unseren #Webcoaches-Film mit den Worten: “Lassen wir die jungen Menschen selbst zu Wort kommen… gebeten hatte ich um ein kurzes Handyvideo, bekommen habe ich diesen professionellen Filmbeitrag!”.
Er erklärte den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses auch, warum es sich bei unserem Konzept einerseits um Jugendhilfe im Sinne des Sozialgesetzbuches §14 SGB VIII handelt und gleichzeitig nach dem niedersächsischen Schulgesetz zu den Sicherheits- und Gewaltpräventionsmaßnahmen von Schulen gehört (RdErl. d. MK – VORIS 22410). Die positive Wirkung nach über fünf Jahren #Webcoaches sei deutlich sichtbar:
“In Hittfeld erleben wir, dass die #Webcoaches eine ganze Schulkultur positiv verändert haben. Junge Menschen wachsen in eine Schulkultur hinein, die fehlerfreundlich ist und genau das wertschätzt.”
Silke Scheiderer von der der Reso-Fabrik e.V., Dipl. Sozialpädagogin und federführend bei der Konzeption und Durchführung der Ausbildung, erläuterte anschließend die zentralen Themen der Ausbildung. Sie verwies dabei besonders auf das breite Spektrum der Inhalte, welches nicht nur die sachbezogenen Themen umfasst, sondern von der Reflexion des eigenen Mediengebrauchs, über die Schulung von Beratungskompetenzen bis hin zu Hintergründen der Rechtslage reicht. Aus diesem Grund führt sie die Ausbildung zusammen mit Carsten Bünger von der Polizei durch. Frau Scheiderer erwähnte auch, wie groß das Interesse von Schulen des Landkreises am #Webcoaches-Konzept mittlerweile sei:
Im Schuljahr 2018/19 wurde das #Webcoaches-Konzept an vier Schulen das Landkreises übernommen bzw. mit der Ausbildung begonnen. Bis Ende des kommenden Schuljahres 2019/20 ist mit einer Einführung an etwa 13 Landkreisschulen zu rechnen.
Eine Vernetzung der dann sehr zahlreichen #Webcoaches und deren Betreuern soll zeitgleich erfolgen.
#Webcoaches erklären die Präventionsarbeit
Wir, also Marlene und Julian, beide aus der Klasse 9b und als Orga-Team der #Webcoaches tätig, erklärten den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses dann was wir #Webcoaches eigentlich genau machen.
Weil unsere Workshops ein wesentlicher Teil der Präventionsarbeit sind, lag es nahe unsere Vorbereitungsarbeit und die Durchführung eines solchen Workshops näher zu beschreiben.
Am Beispiel unseres Workshops zum Thema ‘Klassenchat’ erklärten wir, warum es notwendig ist, das wir unsere Vorbereitung kollaborativ und mit Hilfe unserer Nextcloud und anderer digitaler Werkzeuge durchführen. Wie sonst soll man sich denn mit seinem gesamten Workshop-Team aus Mitgliedern verschiedener Klassen und verschiedenen Jahrgangsstufen (die aus verschiedenen Wohnorten kommen) gleichzeitig treffen? Das geht sinnvoll nur online! Da es im Sitzungssaal in Winsen jedoch leider kein gutes W-Lan gab, verzichteten wir lieber auf eine Live-Vorstellung.
Auch auf den Ablauf des Klassenchat-Workshops gingen wir genauer ein. Bei dessen Durchführung legen wir besonderen Wert darauf, dass wir mit unseren jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern Themen behandeln, die für sie eine hohe Alltagsrelevanz haben. Da es bei den Fünftklässlern häufig zu bestimmten Problemen im Klassenchat kommt, greifen wir genau diese Sorgen der Kinder auf und erarbeiten zunächst in Gruppen und anschließend mit der gesamten Klasse gemeinsame Grundregeln für den Klassenchat. Als eine der wichtigsten Regeln nannten wir den Mitgliedern des Ausschusses die Uhrzeit-Regel, bei der sich die Klasse auf eine Uhrzeit einigt, ab wann abends keine Nachrichten mehr versendet werden dürfen.
Selbstverständlich erwähnten wir auch, dass uns datenschutzkonforme und privatsphärefreundliche Messenger zum Chatten am Herzen liegen. Wir raten daher auch zum Verzicht auf WhatsApp und empfehlen lieber einen der besseren, datenschutzfreundlicheren Messenger. Das wir #Webcoaches unsere eigene Threema-Work Instanz dafür betreiben, haben wir aber nicht gesagt; das wäre wahrscheinlich zu kompliziert geworden 😉
Beratung auf Augenhöhe
Während unseres Redebeitrags haben wir auch darauf hingewiesen, dass wir #Webcoaches in Beratungssituationen und Sprechstunden mit unseren Mitschülerinnen und Mitschülern auf Augenhöhe – also unter Schülern sozusagen – kommunizieren können und daher einen großen Vertrauens-Vorteil gegenüber Lehrern und Erwachsenen haben. Es ist halt einfach leichter mit Gleichaltrigen über Probleme in sozialen Netzwerken zu reden – kaum jemand geht wegen Stress bei Insta als Erstes zum Klassenlehrer oder zu den Eltern. Auf Nachfrage ergänzten wir, dass wir natürlich im gegenseitigen Einverständnis und falls nötig Beratungs- oder Klassenlehrer, unsere Schulsozialarbeiterin, Sozialarbeiter*innen der Jugendhilfe und Jugendpflege, die Schulleitung oder notfalls sogar die Polizei hinzuziehen.
Die Fragen der Ausschussmitglieder konnten wir problemlos beantworten oder an Herrn Rathje verweisen. Am Ende griff Herr Rathje die für die Schulen anstehende Umsetzung des Digitalisierungspaktes auf und gab zu bedenken:
“Gute, sichere technische Ausstattung und Infrastruktur, Breitbandanbindung, Teamwork und durchdachte Medienbildungs- und Unterrichtskonzepte sind wichtige Handlungsfelder für Schulen im digitalen Wandel. Um damit verbundene Chancen umfassend nutzen zu können, müssen sich Schulen aber auch auf die einhergehenden, möglichen sozialen und medienethischen Herausforderungen vorbereiten. Dann gelingt es die Jugendlichen wirklich fit für die Teilhabe an einer digitalen Gesellschaft zu machen.”
Logisch! Wenn es in allen Klassen und in allen Jahrgängen #Webcoaches für eine gute Präventionsarbeit gibt, kommt es entweder gar nicht erst zu Problemen oder man kann im Fall des Falles schnell reagieren. Mit dem Hinweis, dass man uns bei weiteren Fragen mit einer Suche nach “#Webcoaches” im Internet ganz leicht findet, beendeten wir unsere Vorstellung und verabschiedeten uns nach fast dreistündiger Sitzung.
Das Orga-Team der #Webcoaches




