Lüneburg, 6:20. Der Bahnsteig ist voll, viele Pendler warten auf ihren Zug nach Hamburg. Wer genau hinsieht, erkennt einen kleinen, gut gepackten Koffer und an dem Koffer einen Lehrer, der auf dem Weg auf eine Klassenfahrt zu sein scheint. Ein ähnliches Bild gibt es in Winsen, nur dass dort eine Lehrerin auf dem Weg auf eine Klassenfahrt ist. Um genau zu sein, handelt es sich nicht um eine Klassenfahrt, auf die sich die beiden Lehrkräfte begeben wollen, sondern um eine Studienfahrt. Den kleinen Koffern ist nicht anzusehen, dass es sich um sieben Tage Toledo handelt, aber so ist es und so sind Frau Just und Herr Winter am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe auf dem Weg zum Hamburger Flughafen. Dort kommen sie ohne Schwierigkeiten an, sie haben sogar noch etwas Zeit, doch was ihnen erst recht spät auffällt: Das Handy steht nicht still…
Hittfeld, 6:49. Der Zug fällt aus. Kein Problem, denken die Schüler, es kommt gleich noch einer. 7:08. Der Zug fällt aus. Langsam werden Schüler und Eltern unruhig. Wenn die Züge nicht fahren, reicht die Zeit nicht. Was tun? Eltern und Kinder entscheiden sich für unterschiedliche Wege aus der Krise zum Flughafen, aber eines ist allen gemein: Sie rufen bei den Lehrern an, Frau Just und Herr Winter waren so nett, ihre Nummern herauszugeben. Warum gehen sie jetzt nicht ans Telefon? Nun, was hilft’s? Mit dem Auto nach Harburg, von da aus die S-Bahn. Dieser Weg sollte sich für viele als sinnvolle Alternative herausstellen. Direkt fahren, auch das geht. Zwar verspätet, aber immer noch rechtzeitig trudeln die Schüler nach und nach am Flughafen ein. Alle bis auf einer. Richard hat sich am Tag vor seinem Geburtstag entschieden, die S-Bahn nur bis zum Hauptbahnhof zu nehmen. Dort vom Vater eingesammelt, sollte es doch kein Problem sein, den Flughafen zu erreichen, bevor der Flieger abhebt…
Inzwischen haben am Flughafen alle ihr Gepäck aufgegeben, auch Herr Witt und Herr Kiehl sind inzwischen eingetroffen, eine erste Zählung ergibt 52 Kinder und vier Lehrkräfte. Das ist ein guter Schnitt und für eine schöne Reise durchaus ausreichend. Milla hat nur eine Bahn später genommen und kommt schließlich an. Frau Just geht trotzdem schon mit den meisten Kindern durch die Sicherheitskontrolle. Endlich ist auch Richard da, .er sieht einen Tag zu früh um ein Jahr gealtert aus, aber er hat es geschafft, Zugausfällen, Stau und Panik zum Trotz, schaffen es alle 54 Schüler und die vier Lehrkräfte am Mittwoch, dem 25.9.2019 ins Flugzeug nach Madrid. Nach guten zwei Stunden Flug und einer Busfahrt, einem kurzen Marsch und einer langen Zimmereinweisung bezieht die Gruppe gegen 16 Uhr die Zimmer. In kleinen Gruppen werden Stadt und Hostel erkundet: Die spanischen Plätze laden zum Verweilen, kleine Eckkneipen und überaus freundliche Spanier hinterlassen einen ebenso positiven Eindruck wie die sandsteinfarbenen, alten Gebäude dieser Stadt, die, ebenso wie Rom, in Schichten erbaut worden ist. Und zeigt sich Toledo als ein kleines Städtchen, das um seine Vergangenheit weiß, im Mittelalter und der Antike, aber heute den Eindruck einer modernen, etwas verschlafenen mittelgroßen Stadt im Herzen Spaniens macht.
Das Abendessen findet in einem kleinen, alten Keller, einem ehemaligen Lagerraum statt. Alle werden satt, auch wenn die Vorspeise, insaladilla rusa, obwohl sehr gut zubereitet, nicht jedermanns Geschmack ist. Dafür sind die Tischgespräche umso spannender: Ein junges Mädchen rüttelt die Welt wach, aber muss man sich deswegen schlecht fühlen? Ist Autofahren nicht viel schlimmer als zu fliegen? Oder umgekehrt? Ein ganzes Abendessen lang das Handy nicht zu benutzen, stellt sich ebenfalls als eine Herausforderung dar. Nach dem Essen sind alle satt und zufrieden und nach kurzem Spaziergang stellen sie fest, dass das spanische Flair auf nächtlichen Plätzen noch einnehmender ist. Alle kehren ins Hostel zurück, unterhalten sich noch kurz auf der Dachterrasse, die einen wunderbaren Blick über die Stadt bietet, und fallen dann, mehr oder weniger leise, müde ins Bett.
Schüler und Lehrer sind gespannt auf die Studien der kommenden Tage, auf Land und Leute und die Begegnungen untereinander.

