Neues aus Toledo – 2. Tagesbericht

1492 ist ein wichtiges Jahr. Wie jeder weiß, hat in diesem Jahr Christoph Kolumbus im Auftrag der spanischen Krone Amerika entdeckt. Er wollte zwar nach Indien, aber das ist eine andere Geschichte. Für Spanien ist es aber vor allem deshalb wichtig, weil in diesem Jahr auch die letzten Araber aus Granada vertrieben wurden, sodass Spanien wieder spanisch war. Für Toledo ist das Jahr dagegen nicht nur positiv besetzt, wurden doch in diesem Jahr auch die Juden aus der Stadt vertrieben. Wer dennoch bleiben wollte, musste seinen Namen und seinen Glauben ablegen. Viele jüdische Bürger haben sich nach ihrer Geburtsstadt oder ihrem Beruf benannt.

Doch von all dem wissen unsere Schüler noch nichts, als morgens um sieben der Wecker klingelt… „Lass das!“, schallt es über den Innenhof, „ich will endlich meine Zähne putzen!“ Nach einer erstaunlich erholsamen Nacht erwachen die Schüler im zweiten Stock gegen sieben Uhr, aber noch nicht alle haben bemerkt, dass bei offenen Fenstern alle Gespräche für die an den Innenhof angrenzenden Zimmer zu hören sind.

Der erste Tag steht im Zeichen der Erkundung der Stadt. Nach einem kleinen Frühstück, machen sich also verschiedene kleine Gruppen auf den Weg, um zu erfahren, was Spanien spanisch macht, was es von deutschen Städten unterscheidet oder wo und vor allem wie sich die verschiedenen Epochen im heutigen Stadtbild zeigen. Die erstaunlichen Ergebnisse der Recherche und die Erkenntnisse der Schüler werden am Weihnachtsbasar zu sehen sein und so ist es gar nicht schlimm, dass die für 10 Uhr vorgesehene Stadtführung kurzerhand auf 16 Uhr verschoben werden musste. Auch wenn das bedeutet, dass wir immer noch nichts über das wichtige Jahr 1492 Bescheid wissen.

Aber nicht nur der Wissensdurst muss gestillt werden und so macht sich die Verpflegungsgruppe gleich morgens auf den Weg, um Wasser für die durstigen Mitschüler zu besorgen, bei dem Wetter braucht es da mindestens 60 Flaschen. Außerdem muss das Mittagsessen so vorbereitet werden, dass nicht nur alle satt werden, sondern auch möglichst zusammen gegessen werden kann. Also erkundet die Versorgungsgruppe die Stadt ein wenig kürzer und lernt dabei vor allem mehrere Supermärkte kennen. Rechtzeitig und sorgfältig bereitet sie ein Buffet vor, spanischer Schinken, Käse, Tomaten, Gurken und Salat werden liebevoll angerichtet und schmecken so gut, dass die Gruppe nochmal los muss, um weitere Baguettes zu besorgen.

Nach dem Essen ist es endlich so weit, die Führung geht los und alle sind gespannt, doch es zieht sich. Die Geschichten sind zwar spannend, aber nicht immer zu verstehen. Das Wetter ist für eine Stadtführung zu gut und so bleibt weniger die Führung selbst in Erinnerung als die lustigen Erlebnisse unterdessen. Der Soundcheck vor der Kathedrale, die Aussicht über die Stadt oder eben die Geschichte um das Jahr 1492.

Der Soundcheck mündet in ein Konzert, das kurz nach der Führung beginnt. Eine gute Gelegenheit für die eine oder andere Gruppe, ihre Recherche über Kultur, Musik und Jugend in Toledo fortzusetzen, aber kein Pflichttermin für alle und so zerstreuen sich die Schüler nach der Führung in der Stadt.

Das Abendessen findet in demselben Restaurant wie gestern statt. Es ist ebenso gut und kommt noch besser an als gestern, danach ist nur noch wenig Zeit vor dem Schlafen, denn morgen geht es nach Madrid…