Im römischen Circus – 4. Tagesbericht

Wir können es! Vollständig treten alle Schüler um 9:30 nach dem Frühstück an. Bepackt mit Schreibzeug und jede Menge guter Laune zieht die Schülergruppe durch die Straßen Toledos, die um diese Zeit noch unangenehm kühl für diejenigen, die nur T-Shirt tragen, ist. Wofür das Schreibzeug? Nach einigen Minuten Wegs erreichen wir das jüdische Museum, das wir besichtigen und dort viel über den jüdischen Glauben, vor allem aber über die Juden in Toledo erfahren. Die anschließende Diskussion zeigt, dass es sich lohnt, über das Gesehene auch nachzudenken. Wächst eine Glaubensgemeinschaft, die sich dreimal am Tag in der Synagoge, die nichts anderes ist als ein Ort zum Beten, trifft, stärker zusammen? Werden durch diesen starken Gruppenzusammenhalt vielleicht auch Ressentiments anderer geschürt? Das Gespräch über das Museum findet jedoch nicht ebendort statt, sondern im Circo Romano, den wir natürlich gesehen haben müssen. Der alte römische Circus, der in der damaligen Zeit zur Unterhaltung aller Art diente, ist spannend in die Stadt integriert. Hier ist aus dem antiken Erbe ein Park geworden, der zum Verweilen und Disputieren einlädt. Und das wird geschieht. Wir sehen uns die alten Gemäuer nicht nur an, sondern erobern sie auch kletternd, darüber nachdenkend, wie die Rennen und Kämpfe hier wohl ausgesehen haben. Auch Seeschlachten wurden nachgestellt. Obwohl es wieder heiß und die Wege für toledische Verhältnisse recht weit sind, vergeht der Vormittag auf diese Weise wie im Flug.

Da heute wieder spät gegessen wird, machen wir nach dem Essen eine kurze Pause bis endlich auch das Schreibzeug zum Einsatz kommt: In einer lauschigen Parkanlage nahe des Hostels verteilen wir uns. Während die Spanier sich über El Greco informieren (der morgen interessant werden wird), erhalten die Lateiner, inklusive Herrn Winter, ihren ersten Crashkurs in Alltagsspanisch. Um die neu gewonnenen Erkenntnisse zu erproben, braucht es natürlich eine Aufgabe. Der spanischste oder am besten zu Toledo passende Gegenstand erhält einen Preis. Das Verkaufsgespräch muss dabei von Lateinern geführt werden, die Spanier der Gruppe passen auf, dass alles richtig abläuft und helfen im Notfall.

Zwei Stunden später treffen sich alle im Hostel wieder. Während im Hintergrund die Sonne untergeht, werden die Ergebnisse präsentiert, aber wonach riecht es denn hier? Eine Gruppe hat Zutaten für eine Tortilla gekauft und kocht noch. Darüber hinaus gibt es verschiedene Figuren von Flamencotänzern, einen Flamenco-Puppenkleid, einen Fächer, ein Schwert aus toledischem Stahl, ein Stierkampf-Bierdeckelset, Kastagnetten, einen Toledo-Untersetzer und ein Chaim runden das Bild ab. Die Lehrer sind begeistert ob der Kreativität, die Tortilla schmeckt hervorragend und auch alle anderen Geschichten um den Erwerb der Gegenstände sind spannend, die Lateiner haben erste Erfahrungen mit einer lebendigen Fremdsprache gemacht und so gehen alle hochzufrieden zum Essen. Und wer hat gewonnen? Das wird erst morgen bekannt gegeben…